summerblast-titel.jpgGerade pünktlich zum kalendarischen Sommeranfang fand im Trierer Ex-Haus die nächste Ausgabe des SUMMER BLASTS statt. Mit HEAVEN SHALL BURN an der Spitze des facettenreichen Billings hatte man auf das richtige Pferd gesetzt, denn an der Tageskasse wurde nach gutem Vorverkauf das Ex-Haus ausverkauft! Will heissen: Knapp 2000 Besucher machten das Open Air-Gelände und die Indoor-Bühne bei bestem Wetter zum Tollhaus beziehungsweise -hof.
Leider mussten im Vorfeld MAROON ihren Gig absagen, da es zu Komplikationen bei der Geburt von Sänger André´s Sohn kam. Glücklicherweise ist aber mittlerweile alles wieder in Ordnung, wie ich von André persönlich auf dem WITH FULL FORCE erfahren durfte.
Als Ersatz mussten oder besser durften WAKING THE CADAVER ran, die schon am Abend zuvor auf der Warm Up-Party für Furore gesorgt haben.

 

 

 

 

 

Und genau zur Eröffnung der Hauptbühne (im Keller spielten bereits RAFFLESIA und HOUR OF PENANCE) steige ich mit meinem Bericht ein. Der Fünfer aus New Jersey gab sich jedenfalls alle Mühe, die Leistung vom Vorabend mit ihrem "Slamming Gore Groove" zu wiederholen.
Ein kleiner Pit mit Arm-Ruderer entstand auch sofort vom ersten Ton von "Type a Secretor" an und schaffte Platz auf dem Hof des Ex-Hauses. Im weiteren Verlauf des Gigs wurden noch Tracks wie "Connoisseurs of Death" und "I know the Inside of Woman" zum Besten gegeben, bei einem Song durfte wie am Vorabend der gute POI-Peter die Vocals übernehmen. Aber so wirklich wollte der Funke bei mir nicht überspringen...dieses Keif-Gegrunze ist mir auf Dauer dann doch zu eindimensional. Trotzdem machten WAKING THE CADAVER ihre Sache recht anständig und sorgten für einen guten Auftakt an der frischen Luft.

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live20080621_0207.jpg Jetzt ging es fix noch zur Indoor-Bühne, wo die kranken IMPALED ihr Stelldichein gaben. Der fiese Death-/Grind-Core des Vierers machte jedenfalls die paar Songs, bei denen ich dabei war, ordentlich Spaß. (Review zum  aktuellen Album "The last Gasp" )
Die Bühnen-Deko mit den Schädeln an den Mikroständern und das generelle Outfit (seltsame Uniformen) der Band passte bestens zur Mucke und sorgte bei den Kennern des Vierers für Entzückung.
Leider musste ich schon vorzeitig den Set verlassen, um wieder rechtzeitig an der Hauptbühne zu sein - ein Problem, dass sich für mich wie ein roter Faden durch den Tag zog, aber für eine möglichst komplette Berichterstattung wohl unerlässlich.

Durch den Ausfall von MAROON waren somit die Melodic Deather von MISERY SPEAKS einen Slot nach oben gerutscht. Und die legten auch gleich mit dem Eröffnungs-Duo ihrer aktuellen Knaller-Scheibe "Catalogue of Carnage" amtlich los. Dabei fiel auf, daß "Sentiment is missing" erstens auch live genialst ballert und zweitens durch u.a. dem Rock Hard-Sampler wohl den größten Bekanntheitsgrad im Publikum hatte.
Aber auch die anderen Tracks wie "Engraved in Stone" und "To my Enemies" begeisterten trotz nicht idealem Sound den Schreiber. Leider wurde vom ersten selbstbetitelten Album nur auf ein Stück ("Three Times Never") zurückgegriffen, aber die 25 Minuten Spielzeit gaben leider nicht mehr her. Das nächste Mal noch "First Bullet Hits" in die Setlist aufnehmen und ich bin 100%ig zufrieden.

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Dann wurde auf der Hauptbühne an die Dänen AS WE FIGHT (MISERY SPEAKS-Sänger Claus: "Unsere Partners in Alcohol") übergeben, die Briten YOUR DEMISE indoor schenkte ich mir.
Auch wenn mir bei der Band mit dem Shouter-Duo an der Front ein wenig der Ideenreichtum fehlt, zockten sie ihr Programm (hauptsächlich von der 2006er Scheibe "Midnight Tornado") sympathisch in die Meute. Dabei fanden aber auch 2 neue Stücke ("Pull me asunder" und "Join the killing Spree") ihren Weg ins Set; das dazugehörige Album soll noch in diesem Jahr erscheinen.
Solide, aber nicht weltbewegend.

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Dann sollte meine persönliche Überraschung des Tages folgen. Die mir bislang unbekannten BARONESS aus Amiland waren im Club am Start und unbefangen wollte ich "nur" ein paar Bilder schiessen und Eindrücke sammeln.
Aber was mich dort erwartete, war angesichts des Rest-Billings doch sehr überraschend: Stoner-/Indie-Rock vom Feinsten, rotzig-fies dargeboten mit innovativen musikalischen Ideen und nem ordentlichen Schuss Abgedrehtheit hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich war so gebannt, dass ich beinächst den Beginn von THROWDOWN verpasst hätte... Killershow!

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Gerade noch rechtzeitig zum Beginn von THROWDOWN fand ich mich dann wieder outdoor wieder. Nach dem Stilwechsel in Richtung PANTERA (s. Review ) will der Vierer nun auch live auf europäischen Bühnen überzeugen. Auch wenn der Sound knackig rüberkommt, fehlte mir bei den Texanern das, was PANTERA damals so groß gemacht haben: Diese unbändige Power und der Wille, jedes Publikum platt machen zu wollen. Da vermisste ich ein wenig die Leidenschaft.
Die Songauswahl (hauptsächlich neueres Material der obigen "Venom & Tears"-Scheibe) wollte bei den Fans nicht so recht zünden; das ältere Material (u.a. "Never back down") kam da um Längen besser an. Ich bin gespannt, wie die nächste Scheibe der Texaner ausfallen wird...

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Nach nur kurzem Besuch bei CALLEJON im Club (wo die Hölle ausbrach! Da hielt ich es nicht lange aus..), war ich auf die Grind-/Death-Altmeister DYING FETUS sehr gespannt.
Die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Combo ließ allerdings durch eine bewegungsarme Show auch ein wenig die Spass an der Freude vermissen. Die Setlist war allerdings mit Hits gespickt; vom Opener "Schematics" an über "Pissing in the Mainstream" bis zum Klassiker "Praise the Lord (Opium for the Masses)" am Ende des Sets kloppten sich die Drei tight durch ihr Set.
Aber auch hier wollte im Publikum noch nicht so recht Stimmung aufkommen. Das könnte zum einen an der musikalischen Ausrichtung der meisten Anwesenden als auch an der schon angesprochenen mageren Performanence gelegen haben - sei´s drum: Die Mucke hat gebollert und darauf kommt´s ja schliesslich hauptsächlich an! 

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Da die Indoor-Bühne zu SHAI HULUD wieder ziemlich voll zu werden schien, zog ich es vor, an der frischen Luft zu bleiben und auf die britischen Jungspunde BRING ME THE HORIZON zu warten.
Die mir bis dahin unbekannte Band zog massenhaft Scheitel und Emo-Girlies vor die Bühne, so daß ich musikalisch mit dem Schlimmsten rechnete - wurde aber durch die überraschend harsche Mischung aus Screamo-Core und Death-Metal eines Besseren belehrt.
Auch wenn ich normalerweise Leute oder Bands nicht durch ihr Äusseres oder ihr Image beurteile: Was BMTH style-mässig abgaben, ging in meinen Augen gar nidd! Haircrimes in den krassesten Formen!
Naja, musikalisch war das Ganze schon recht heftig, auch wenn das Gesamtauftreten der Band ein wenig zu routiniert rüberkam. Auch hier hätte ein wenig mehr Enthusiasmus nicht schaden können.

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Die Todesfrickler ORIGIN sollten diesen aber bei der kleinen Meute indoor hervor rufen können. Unmenschliche Breaks, abstraktes Saitengewichse und brutale Growls machten den Auftritt zum Erlebnis. Was der Vierer technisch bot war aller Ehren wert. Leider war wie erwähnt der Zuschauerzuspruch nicht allzu groß. Aber die, die da waren, werden sich nicht beschwert haben. 

Leider hatten SHAI HULUD zuvor ziemlich überzogen und ORIGIN mit Aufbau eines eigenen Drumkits die Aufbauzeit ziemlich ausgereizt, so dass der an sich gut ausgeklügelte Zeitplan zwischen In- und Outdoor dahin war. So kam es nun zu fetten Überschneidungen, die das rechtzeitige Fotoschiessen und Mitschreiben der Geschehnisse erschwerten.

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Bei BLEEDING THROUGH gab es dann mit der Keyboarderin Marta auch mal was für´s männliche Auge. Auch wenn man die Keys kaum hören konnte, war man um die optische Aufwertung der Band doch froh. Denn die Mucke an sich bietet mir nicht viel mehr als soliden Metal Core, nur mit Keyboards halt. Trotzdem kam die Band aus Orange County beim Publikum recht gut an, was an der energetischen Leistung auf der Bühne gelegen haben könnte. Insgesamt okay.

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Die Hardcore-Veteranen NEGATIVE APPROACH ließ ich zugunsten einer weiteren HC-Institution flitzen: Die New Yorker MADBALL waren im Haus...ähm Hof!
Die Band um Freddy Cricien hat mittlerweile auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, weiß aber immer noch vor allem live zu überzeugen. Ob Tracks der neuen Langrille "Infitrate the System" oder die Klassiker der "Set it off"-Scheibe: Hier regierte die aggressiv-groovige Hardcore-Keule, hier blieb der Pit immer in Bewegung. Erinnerungen an das kultige Konzert im Kühlhaus in Saarbrücken 1995 wurden wach und ließen mich an Zeiten denken, in denen es im Pit noch keine Bruce Lee-Verschnitte und Windmühlen, sondern einfach nur harten aber fairen Pogo und Stagediving gab...
Jedenfalls räumte das Quartett durch die agile Show amtlich ab; Brüllmax Freddy war teilweise mehr an der Absperrung mit Kontakt zum Publikum als auf der Bühne, Schwergewicht Hoya trotz vieler Pfunde immer in Bewegung und auch der ergraute Mitts und Mackie zockten sauber in die beginnende Trierer Dämmerung. Ein wirklich guter Auftritt! 

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Und wieder ging es in die schwül-warmen Niederungen des Exils. Dieses Mal zu den Ösis von THE SORROW, die sich hierzulande wirklich, gelinde gesagt, den Arsch abspielen. Wie es den Anschein hatte, haben einige auf den Auftritt von THE SORROW gewartet, denn die ersten Reihen gaben wirklich bei jedem Song Vollgas!
Da funzten im engen Exil alle Spielchen wie Circle Pits, Wall of Death usw. Es wird jedoch Zeit, daß man mal ein zweites Album nachlegt, auf ewig zehrt man  von den Songs der "Blessings from a blackened Sky" nicht. Auch wenn Songs wie "Death from a Lovers Hand" und "Knights of Doom" immer noch mächtig knallen (sogar bis zum Ausfall der Anlage im Exil!), wird es doch Zeit, die gute Leistung des Debüts zu bestätigen.
Die Support-Tour mit CHILDREN OF BODOM zu Ende des Jahres wird den sympathischen Vier Alpenmännern wohl dennoch den verdienten Promotion-Schub geben, und auf den Auftritt auf dem ROCK AREA freue ich mich ebenso.

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Durch die Verschiebungen im Zeitplan kam ich somit auch zu spät, um Bilder für den Co-Headliner COMEBACK KID zu machen. Ausserdem kann ich zu der Band eh nicht viel sagen (Jaja, Asche auf mein Haupt) und was ich davon gesehen hab, sagte mir auch nicht wirklich zu.
Die nächste Lücke entstand dann bei CULT OF LUNA, die ich zwar furchtbar gerne im Keller gesehen hätte, aber durch die erneut zähe und lange Umbaupause ging eine Menge Zeit flöten und ich musste wieder vorzeitig nach oben, um den unumstrittenen Headliner zu sehen.

Und dies war HEAVEN SHALL BURN zurecht! Schon beim Intro "Awoken" war jedem klar, welches Gewitter gleich über Trier hereinbrechen würde: Es war Endzeit!!! Einer der besten Metal Core-Songs, die je geschrieben wurden, eröffnete das Gastspiel der Thüringer an der Mosel. Und sofort gab es im kompletten Innenhof kein Halten mehr.
Da schmälerte es auch nicht die Stimmung, daß das Banner falsch herum  aufgehängt wurde und Sänger Markus offenbar vergessen hatte, daß es ein Intro vor "Endzeit" gibt...
Nein, die Tracks "Forlorn Skies", "Murderers of the Murderers" (vom aktuellen "Iconoclast") und die Standard-Hits "Counterweight", "The Weapon they fear" und "Voice of the Voiceless" ließen keine Zweifel an der heutigen Stellung von HEAVEN SHALL BURN.
Wenn man sich dann noch ständig originelle Spielchen mit dem Publikum einfallen lässt, hat man den Platz auf dem Thron tatsächlich verdient. So beliess man es nicht bei der obligatorischen Wall of Death, sondern ließ zwischenzeitlich gleich zwei Circle Pits um die Basketballkörbe im Hof rotieren und wollte wieder einmal den Crowdsurfing-Rekord knacken. Man kam zwar nicht ganz an das Saarbrücker Resultat aus dem letzten Jahr heran, aber trotzdem war die Anzahl beachtlich.
Überraschenderweise fand auch das EDGE OF SANITY-Cover "Black Tears" mittlerweile seinen Platz im Set, so daß man der Jugend von heute zeigen konnte, wo der schwedische Todesblei-Hammer wirklich hängt!
Der Abschluss war mit "Mybestfriend.com" auch passend gewählt; leider musste kurz nach 23.00 Uhr Stille herrschen, so daß die Spielzeit auch nur knapp eine Stunde betragen konnte - sei´s drum: Viel länger hätten Band und Publikum den hohen Energielevel wohl auch nicht halten können.

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So war ein musikalisch ereignisreicher Tag zu Ende und ich kann den Veranstaltern nur gratulieren, daß sie mit der Zusammenstellung des Billings den Laden ausverkauft haben.
Auch die übrige Organisation hinsichtlich Essen, Trinken und Aktionen rundrum (Skater-Halfpipe, Guitar Hero,..) war gelungen und lässt auf ein weiteres, ebenso gut besetztes SUMMER BLAST 2009 hoffen! 

(Brix)

Weitere Bilder gibt es wie immer in der Galerie

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