Unter dem Namen "Unholy Alliance" tingeln SLAYER derzeit zum zweiten Mal durch die Welt und haben mit IN FLAMES und CHILDREN OF BODOM ein schon fast übertrieben hochkarätiges Package an headlinerwürdigen Bands zusammengestellt, das gemeinsam mit den Openern THINE EYES BLEED und LAMB OF GOD dann zu einem Ticketpreis von 50 Euro führte. Naja...schon ein stolzer Preis für die arbeitende Gesellschaft, aber bei SLAYER drückt man da ja gerne mal ein Auge zu, so dass die Halle im Messepark in Trier auch ordentlich gefüllt war. Allerdings hat die Halle den fehlenden Charme einer Bosch-Maschinenhalle: Mit den ganzen Gerätschaften, die hinter der aufgebauten Bühne aufgetürmt sind und über denen öfter mal das Licht brennt, hat man irgendwie das Gefühl, als würde man jeden Moment aus der Halle geworfen, damit der normale Betrieb wieder stattfinden kann. Aber egal, während den Bands isses ja hauptsächlich dunkel und so entern THINE EYES BLEED die Bühne und ballern mit ihren melodischen Death Metal mächtig laut los.
Grundsätzlich ist das Material der Amis ganz ok, aber auch nix wirklich besonderes, sondern eher austauschbar und auch die statische Bühnenshow reißt da nicht viel raus. Wer sich wundert, wie sich THINE EYES BLEED auf diese Tour gemausert haben, sollte vielleicht wissen, dass Basser der Truppe Johnny Araya ist. Ja...der gute ist scheinbar der Bruder von Slayers Tom Araya...damit wäre das Thema wohl erledigt.

Wer Thine Eyes Bleed schon laut fand, dem drückt bei LAMB OF GOD noch der dröhnende Bass die Eingeweide durch die Rippen. Vom Publikum laut bejubelt, kommt der stark vertrackte Metal der Amis ordentlich beim Publikum an: Jede Menge Groove und noch viel mehr Breaks...und scheisse ist das laut! Das tierische Organ des Fronters Randy Blythe sticht beeindruckend aus der Soundwand der Restband hervor und untermalt von der netten Lightshow lassen die tierisch hämmernden Riffs eine Menge Leute ordentlich mitgehen.



Das lustige Intro danach mit Swing-Feeling, zu dem eine Stimme die Finnen CHILDREN OF BODOM ankündigt, sorgt dann schon mal für einige Schmunzler im Publikum. Immer wieder lustig zu sehen, was sich die Jungs als Intro ausdenken. Die Band selbst ist an diesem Abend aber so gar nicht lustig, sondern macht einen müden und ausgelaugten Eindruck. Eher pflichtbewusst als spielfreudig knallen COB ihr 40-Minuten-Programm raus, das sich aufgrund der kurzen Spielzeit natürlich auf ein stark reduziertes Hit-Programm beschränkt, mit Songs wie "Silent Night, Bodom Night", "Needled 24/7", "Angels Don't Kill", "Hate Me!", neuen Songs "Living Dead Beat" und "In Your Face" und dem Abschluss-Klassiker "Downfall". Spieltechnisch natürlich über jeden Zweifel erhaben und mit den obligatorischen Show-Elementen wie gegenseitigem Abfüllen mit Alk oder den Soloduellen von Laiho und Wirman, gibt es natürlich eine ordentliche Bodom-Show. Wer die Energie der Band allerdings auf der vergangenen Headliner-Tour und auf den Festivals miterlebt hat, weiss heute abend, dass CHILDREN OF BODOM wohl dringend mal ein wenig Urlaub vom Tourstress brauchen.



IN FLAMES danach sind für mich die positive Überraschung des Abends. Schon zu den einsätzenden Klängen der Titelmelodie der 80er-Kult-Serie "Knight Rider" steigt die Simmung steil nach oben. Spätestens als dann noch vor den Boxen rote LED-Linien im KITT-Stil hin und her laufen, ist die Lautstärke im Publikum schon an einem beeindruckenden Pegel angelangt, als die Schweden mit "Pinnball Map" dann das Konzert eröffnen. Der Sound ist zwar etwas dürftig, so dass ich den Song erst zum Refrain erkenne, aber die Show macht das locker wieder wett. Die LED-Lampen im Hintergrund sorgen für permanente futuristische Beleuchtung, die irre cool rüberkommt, und die Band scheint vor Spielfreude nur so zu platzen. Allen voran Gitarrist Björn Gelotte, der das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht kriegt, dicht gefolgt vom Rest der Band, die den Rest der Tour mit Niklas Engelin als Ersatz für Jesper Strömblad spielt, der aus privaten Gründen die Tour abbrechen musste. Das Programm der Schweden ist bunt gemischt, von aktuellen Songs über Hits wie "Cloud Connected" bis hin zu älteren Klassikern der Marke "Graveland", wobei sich besonders bei "Only For The Weak" die Halle in eine riesige Hüpfburg verwandelt. Sänger Anders Friden sammelt dann sowieso noch kräftig Sympathiepunkte durch seine Ansagen und eine kleine Fotosesseion, bei der er sich die Kamera eines weiblichen Fans im Publikum schnappt und das Publikum erfolgreich dazu auffordert, für ein nettes Foto mal alle Hände in die Luft zu strecken. Sehr cooler Auftritt!



Den Kult um SLAYER danach werde ich einfach nicht verstehen... Ok, sie haben zu ihren frühen Zeiten Maßstäbe gesetzt und wohl jede Band des Abends maßgeblich beeinflusst. Aber was danach auf der Bühne passiert unterscheidet sich nicht im geringsten von dem, was zig andere Bands genauso abliefern können (zum Beispiel Children of Bodom, wenn sie ausgeschlafen haben), sowohl was die Show (die bei SLAYER ausgesprochen statisch ist) als auch die Killerriffs angeht. Klar, auch wenn Lombardo gern mal vorbeitrommelt und auch das Gitarrenduo King / Hannemann nicht immer so ganz richtig liegt, ballern die Songs amtlich aus den Boxen, aber ist das wirklich soooo überirdisch, dass man vor, während und nach dem Konzert "Slayer" brüllend durch die Gegend torkeln muss? Naja...der Großteil des Publikums sah das wohl gänzlich anders als ich, so dass SLAYER (allen voran Tom Araya, der mit seinem grauen Bart irgendwas von nem Weihnachtsmann hat) bei jeder Ansage und nach jedem Song lautstark bejubelt werden, ganz besonders natürlich die Klassiker "Dead Skin Mask", "Chemical Warfare" und das Hit-Paket "Raining Blood", "South Of Heaven" und "Angel Of Death".
Bleibt zum Schluss noch zu erwähnen, dass am Merchandise-Stand kein Shirt unter "fanfreundlichen" 30 Euro verkauft wurde, so dass insgesamt ein eher durchwachsener Eindruck zurückblieb. Ich bin jetzt erst mal verreist...auf der Flucht vor Slayer-Fans ;-) (Mika)



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