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Einmal im Jahr, kurz vor Weihnachten wird ein Metal Core-Paket geschnürt, das sich gewaschen hat. Im letzten Jahr machte die fast identische Tour in Losheim Station, 2007 kam die Garage in Saarbrücken in diesen Genuss.
Im Vorfeld gab es Spekulationen, wer denn der "große" Headliner sein würde...aber leider sprangen KREATOR von der Tour im Vorfeld schon ab - egal: Die Garage war auch so nahezu ausverkauft, denn das Package mit den nationalen Zugpferden CALIBAN und HEAVEN SHALL BURN wurde bestens durch SONIC SYNDICATE, THE SORROW und MISERY SPEAKS ergänzt; es war also für jeden Freund der moderneren Gangart etwas dabei! Auch der Rest der Tour soll besser besucht gewesen sein als im letzten Jahr, von daher hat auch das grösstenteils identische Billing seine Berechtigung.

The same procedure as last year: Durch die Doppelbelastung (Interviews + Review) fiel MISERY SPEAKS wieder wie in Losheim für mich aus - schade! Ich hätte zu gerne das ein oder andere neue Stück von der kommenden Scheibe "Catalogue of Carnage" zu hören bekommen! Egal, denn die Jungs werden bald in Trier und diversen Sommer-Festivals aufkreuzen, dann hol ich das bestimmt nach. Dafür gab´s aber ein Interview mit Drummer Janosch, das (hier) nachzulesen ist!
Jedenfalls war die Halle schon für die frühe Uhrzeit (18 Uhr) anständig gefüllt und Stimmung hatten die meisten Besucher auch schon in den Backen. So kam der melodische Death Metal zu Beginn dieses Abends schon prima an.

Dies änderte sich auch bei den Ösis von THE SORROW nicht: Deren Mucke passt eher in die BULLET FOR MY VALENTINE-Ecke, will heissen: Old-School-Metal trifft modernen Groove mit Schrei-/Clean-Wechselgesang. Nicht verkehrt das Ganze, aber auch mittlerweile schon desöfteren gehört - trotzdem kamen die Stücke von der aktuellen "Blessings from a blackened Sky" recht gut an und sorgten für weitreichendes Kopfnicken und mehr im Auditorium.  Das Eröffnungstrio der Platte mit dem Intro "Elegy", "The Dagger Thrust" und "Death from a Lovers Hand" markierte auch hier den Anfang des Sets. Das gekürzte "Saviour, Welcome Home" leitete die Überraschung des Gigs ein, nämlich "Pursuit of Vikings" von der AMON AMARTH-Wikinger Horde. Dies sorgte für verdutzte Blicke aber auch breites Grinsen im weiten Rund. Vor allem die Vocals waren fast 1:1 gegrowlt, Hut ab. Da kann man ruhig mal ein härteres Nebenprojekt starten Zwinkernd.
"Knights of Doom" mit seinem thrashigen Anfangsriff bedeutete dann den Abschluss von THE SORROW´s Auftritt mit mehr als höflichem Vorgruppen-Applaus. Well done!

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Kommen wir zu den "Tokyo Hotel des Metals", SONIC SYNDICATE. Da wird viel geschrieben, gemunkelt, gemauschelt, gehypt. So soll die (zugegebenermassen schnatze) Bassistin auch mal mit Rock aber mit ohne Unnerbuchse die Bretter betreten und das auch noch ok finden - ja nee is klar! Das ist schon untere Schublade, um ins Gerede zu kommen, aber "Sex sells" bekanntlich!
Über das Styling kann man immer streiten: Hahnenkamm da, die Tokyo-Bill-Stacheln hier - jeder Teenie findet hier seinen Liebling. So ist es auch kein Wunder, dass der Großteil der jubelnden Fans 20 Jahre abwärts alt sind.
Musikalisch kann man dem Sechser eigentlich keine Vorwürfe machen. Im Spagat zwischen  (mehr oder weniger) metallischen Momenten und poppigen Melodien wollen sie den Nerv der Zeit treffen. Aber irgendwie ist mir hier wirklich ALLES zu sehr durcharrangiert: Jede Bewegung auf der Bühne, jedes Posing, sogar die Rotzerei scheint ihren festgelegten Platz während eines Stücks zu haben - von Spontanität und reiner Spielfreude ist keine Spur. Ich erwische mich zwar ab und an beim Mitwippen und finde auch den ein oder anderen Refrain ganz nett, aber vom Hocker haut mich das noch lange nicht. Was soll´s, SONIC SYNDICATE haben ihre Zielgruppe und die schien begeistert gewesen zu sein. Von daher kein Fehler, die Band zu buchen.

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Alle, die nun noch den Weichspüler in den Lauschern hatten, sollten jetzt auf ihre Kosten kommen. Einheitlich in Anzugshose, weissem Hemd und Krawatte waren HEAVEN SHALL BURN schon für den Sylvesterabend im Voraus gekleidet und kamen zu Wolle Petry´s "Der Himmel brennt" (Was auch sonst?) auf die Bühne. Und ab dann "brannte" es auch in der Garage.
Die fünf Thüringer sollten so manchem den angesetzten Weihnachtsspeck innerhalb von einer Stunde von den Rippen schwitzen lassen. Was heute Abend hier abging, habe ich in dieser Form in der Garage noch nicht erlebt, ehrlich. Allein beim Opener "Counterweight" riss der Pit beinahe die gesamte Halle mit und sämtliche Animationen seitens Sänger Marcus wurden brav befolgt - so entstanden im Laufe des Gigs gleich 2 Circle Pits um die hinteren Säulen in der Garage, eine Wall of Death immensen Ausmaßes bildete sich und beim Abschluss-Song waren schätzungsweise 10-20 Crowdsurfer gleichzeitig während des Songs unterwegs. Wahnsinn.
Aber bei dieser Songauswahl auch kein Wunder: Von "Voice of the voiceless" über "My bestfriend.com" zum Klassiker "Partisan" (zusammen mit Gitarrist Marc von CALIBAN) und natürlich dem Hit "The Weapon they fear" kamen alle Fans auf ihre Kosten: Jeder Song ein Knaller, jedes Lied ein Hit. Bei Letztgenanntem kamen viele Mitglieder der Vorbands mit Gitarren bewaffnet als Gag zum Tourabschluss auf die Bühne und sorgten zusätzlich für Party-Stimmung.
Auch das brandneue "Endzeit", welches im Voraus schon auf MYSPACE veröffentlicht wurde, hatte schon viele Anhänger und wurde frenetisch mitgesungen...nicht schlecht! Das lässt auf einen druchschlagenden Erfolg der kommenden Scheibe "Iconoclast:Pt.1 The final Resistance" hoffen!
Mehr hierzu und viele weitere Informationen rund um HSB gibt es übrigens im Interview mit Drummer Mathias (hier) zu lesen!
Als die Band zum Outro eines weiteren gruseligen Schlagers (was weiss ich von wem, jedenfalls brannte schon wieder der Himmel ;-) ) die Bühne verliess, war dem teilweise schon ausgelaugten Publikum klar: CALIBAN müssen sich sehr, sehr anstrengen, um das noch einmal toppen zu können!

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Und was soll ich sagen: CALIBAN überraschten mich an diesem Abend. Auf Platte kann ich mir die Jungs jederzeit antun, von ihren Live-Qualitäten war ich bisweilen wenig angetan. Besonders der cleane Gesang kam live mitunter schräg bis gruselig aus den Boxen.
Aber heute war das anders: Nach etwas schwerfälligem Beginn wussten die Hits wie "The Beloved and the Hatred", "I rape myself" und "Goodbye" das Publikum noch einmal zu Circle Pits, Todesmauern usw. zu animieren. Auch der cleane Gesang von Denis kam heute abend so wie auf Platte rüber, ein Wohltat für die Lauscher. Die Songs vom aktuellen "The Awakening" waren auch bestens bekannt, so dass bei "I will never let you down" genauso mitgesungen wurde, wie bei den älteren Songs auch.
Auch hier gab es den "Abschluss-der-Tour-Gag": Zwei Mitglieder der Crew kamen in Unterhosen auf die Bühne, von denen einer auf allen Vieren an der Leine geführt wurde...was natürlich mit allerhand Gelächter bedacht wurde. Zum Lohn wurde dann noch an der spärlichen Unterkleidung gezubbelt, so dass auch gewissermassen blank gezogen wurde - ganz grosses Kino!
Leider mussten wir job-bedingt den Set früher verlassen; ich hätte gerne gesehen, ob die gute Stimmung bis zum Schluss anhielt.

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Alles in allem kann man von einem mehr als gelungenen Abend sprechen; auch wenn nicht jede Band komplett überzeugte, kam doch jeder der Zuschauer an diesem Abend auf seine Kosten! Letztes Jahr ballerten mich SODOM aus dem neuen Jahr, dieses Jahr durfte HSB diese Aufgabe mit Bravour erledigen. Meinetwegen nächstes Jahr noch einmal!

Weitere Bilder findet Ihr in unserer Galerie.

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