accept-dates-2015Die Geschäfte laufen einfach weiter, auch wenn es zuletzt bei ACCEPT ordentlich im Gebälk krachte. Über die Gründe des Ausscheidens von Herman Frank und Stefan Schwarzmann kann nur spekuliert werden, ebenso ob die Trennung so freundschaftlich ablief, wie es die Band darstellt. Inwieweit das Nebenprojekt THE GERMAN PANZER und die allgemeine kreative Beteiligung der beiden damit tun hat, darüber kann man nur mutmaßen. Da die Sache nach dem Nummer Eins-Album "Blind Rage" so richtig am Rollen war, musste schnell Ersatz für die kommenden Shows her. Den fanden sie im ehemaligen GRAVE DIGGER-Gitarristen Uwe Lulis und Christopher Williams. Nach Festivals im Sommer gab es nun einen Konzertnachschlag in Deutschland, bevor es an die Arbeiten zum nächsten Album geht. Dabei fand der Inbegriff des Teutonenmetal endlich wieder den Weg ins Saarland, unterstützt von THE NEW ROSES spielten sie in der Saarbrücker Garage auf.

THE NEW ROSES
Überpünktlich, damit die Garage ja um 23 Uhr für ihre Disco mit dem vorhersehbarsten aller Programme die Pforten öffnen kann, stiegen die Wiesbadener um kurz vor 19 Uhr auf die Bühne. Zu dem Zeitpunkt war die Halle noch erschreckend leer, der Glühwein auf dem nahen Weihnachtsmarkt mundete wohl noch zu gut. Das schein die Truppe ein wenig zu verunsichern, denn zu Beginn gaben sich die Vier noch deutlich reserviert. Und auch ihr traditioneller Hardrock schien zu konventionell, um die Anwesenden zu bewegen.
Mit der Zeit tauten sowohl Publikum als auch Band auf, was vor allem an dem durchaus engagierten Stageacting der neuen Rosen lag. Vor allem Bassist Hardy beackerte die rechte Bühnenseite unentwegt, während Leadgitarrist Norman Bites ein paar gute Soli auf Lager hatte. In der Mitte ließ sich Frontmann Timmy Rough auch nicht vom zeitweiligen Streik seiner Gitarre aus der Ruhe bringen, sondern haute lässig sein Material heraus. Dies war ebenso trocken wie druckvoll und mit einem leichten Blueseinschlag.

Das hatte etwas von der typischen L.A.-Gangart Ende der Achtziger, wenn auch ein wenig ernsthafter, TESLA oder Y&T fielen einem da ein. Doch im Gegensatz zu denen vermisste der Zuhörer die ganz großen Hymnen, obwohl Stücke wie "Gimme Your Love", das schwere "Whiskey Nightmare", Devil´s Toys", "Medicine Man" oder der Titeltrack des Debüts "Without A Trace" zu gefallen wussten. Hinten haute Urban Berz mächtig in die Felle und trieb das simple aber effektiv rockende Material voran. Der gute Timmy war ständig bemüht das Publikum auf seine Seite zu ziehen und hatte Glück, dass sich das Venue nun richtig zu füllen begann. Mit den dichteren Reihen verlor sich auch die Distanz zwischen Band und Zuschauern immer mehr, so dass die Jungs am Ende standesgemäß abgefeiert wurden.

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ACCEPT
Nachdem sich die Umbaupause länger als der Gig des Supports zog, gingen um kurz nach acht endlich die Lichter aus. Die Zeit wurde auch benötigt, um die ganzen Aufbauten des Headliners in Position zu bringen. Wie schon vor einem Jahr konnte bereits der Anblick der Bühne begeistern, als die Vorhänge von der Backline entfernt wurden. Dabei konnte nicht das volle Programm aufgefahren werden, die Varilights standen auf den Rampen, anstatt auf der Boxenwand, so dass die Lightshow nicht ganz so imposant ausfiel. Doch alleine jene Lautsprecheransammlung rechts und links des Schlagzeugs wirkte mächtig, alle mit den Bandlogo verziert.
Und wo Metal draufsteht, da ist auch Metal drin, zumal die Heimatstadt für genau jene Industrie bekannt ist. Ein mittlerweile schon fast obligatorischer AC/DC-Song als Intro und ab dafür. Schon beim Erklimmen der Bretter sprühten die Herren nur so voll Elan, obwohl der Großteil schon weit über fünfzig ist. Die Formation scheint tatsächlich in einem weiteren absoluten Frühling angekommen zu sein, seit mehr als einem Jahr ist man auf Achse, doch von Verschleißerscheinungen keine Spur.

Vor allem die Frontachse um Sänger Mark Tornillo sowie den beiden Urgesteinen Wolf Hoffmann und Peter Baltes ist sofort präsent. Hier wird ohne Rücksicht auf Verluste ganz vorne das Rampenlicht gesucht, sofort versucht das Publikum direkt hinter sich zu bekommen. Das war allerdings keine so schwere Aufgabe, denn wer den Opener des aktuellen Longplayers so vehement in die Menge ballert, der hat ohnehin gewonnen. Doch die Musiker rackern unermüdlich, wirken dabei gleichsam motiviert wie hochprofessionell.

Hier saß jede Pose, egal wie verdreht die Äxte auch gehalten wurden, die Saitenfraktion traf immer den Ton. Gerade in Sachen Bühnenpräsentation waren ACCEPT seit jeher ein Vorbild und eine Macht, welche sich synonym zur Musik auch in den Gebaren äußert. Immerhin haben die Solinger ja das Gitarrenballett erfunden. Es ist jedes Mal beeindruckend zu sehen, wie die drei synchron ihre Arbeitsgeräte präsentieren, und dabei eben jenen unerbittlichen Druck, der von ihrem typischen Groove ausgeht, auch optisch unterlegen. Alleine der finale Schlussakkord war atemberaubend, wenn alle drei zur Townshendschen Windmühle ansetzten und Williams dahinter selbst von der Armarbeit synchron die Becken schlug.

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Da geriet der nicht mehr ganz so neue Frontmann schon mal zur Randerscheinung, doch auch er wusste sich in Szene zu setzen. Mittlerweile ist er bei den Fans akzeptiert, so dass das Augenmerk auf den anderen Neuzugängen lag. Uwe Lullis wirkte agiler als der ziemlich stoische Herman Frank und lieferte eine überzeugende Rhythmusarbeit ab. Der neue Sechssaiter suchte auch mehr den Kontakt zum Publikum als sein Vorgänger, ein Solo alleine ganz vorne war ihm aber nicht vergönnt. Christoph Williams bot auch ein mehr als solides Spiel an, wobei er nicht so hart drauf donnert wie Stefan Schwarzmann. Seine Stärken liegen eher in den rockigen Akzentuierungen, und genau diese konnte er bei der leicht geänderten Setlist unter Beweis stellen.

So kam das zuletzt bis auf den Titelsong sträflich vernachlässigte „Metal Heart"-Album mit zwei weiteren Songs zum Einsatz, die ebendies verlangten. Dafür musste ein Lied von"Balls To The Wall" weichen, während von „Breaker" und „Restless And Wild" je ein Song ausgetauscht wurde. Als Überraschung war indes ein Stück vom ersten Reunionalbum „Objection Overruled" zu werten. Somit hielten sich Klassiker und Lieder der Tornillio-Ära exakt die Waage. Von denen wurde nur beim „Blind Rage"-Material variiert, wobei das jüngste Werk einmal weniger zum Zug kam.

Musikalisch waren die Herren trotz der agilen Bühnenshow immer absolut tight und ließen ihre Stücke wie Panzer über die Fans hinweg rollen. Lediglich der Sound geriet nicht ganz so überragend wie in Langen, speziell bei den Gitarren hätte ein wenig mehr Druck nicht schaden können. Dennoch kam vor allem das Spiel von Hofmann optimal zur Geltung, seine Technik ist immer noch genial, immer wieder waren seine Leads gespickt mit klassischen Zitaten. Dazu brachte die Charakterglatze viele Grimassen und forderte selbst bei den Soli immer wieder Interaktion vom Publikum.
Dabei musste man dieses gar nicht groß bitten, bei mehr als zwei Stunden Vollbedienung war dieses bereit ihrerseits auch alles zu geben. Immer wieder hallten Sprechchöre durch die Garage, die am Ende vollbesetzt war. Hier ließ sich keiner bitten, wenn die wuchtigen Singalongs gefordert wurden. Irgendwann konnte man zwar das Gefühl bekommen, dass man sich angesichts derart häufiger „Oh, Oh"-Chöre auf der falschen Party befindet. Aber hey, ACCEPT dürfen das, immerhin wirken ihre weniger kitschig, eher maskulin.

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Am Ende waren nicht nur die vorderen Reihen klatschnass geschwitzt, die Legende veranstaltete ein wahres Stahlbad. Selbst in den ruhigeren Passagen fiel der Druck kaum ab, der von der Bühne kam. Pausen wurden den Fans kaum welche gegönnt, die Ansagen beschränkten sich auf ein Minimum. Die Solinger ließen stattdessen Riffs und Lautstärke, Gesten und Posen für sich sprechen – eine starke Sprache! Die Formation befindet sich seit ihrem Neuanfang in einer Form, mit der sie näher an die Glanzzeit kommt, als niemand ihrer Kollegen. Hammeralben, die hohe Chartpositionen einfahren, und dazu noch so tolle Shows wie an dem Abend reihen sich aneinander. Wenn man sah, mit wieviel Spaß die Fünf bei der Sache waren, weiß man, dass noch lange nicht Schluss ist. (Pfälzer)

Setlist ACCEPT:
Stampede
Stalingrad
Hellfire
London Leatherboys
Living For Tonite
Restless And Wild
Midnight Mover
Dying Breed
The Final Journey
Shadow Soldier
Flash Rockin´Man
Bulletproof
No Shelter
Princess Of The Dawn
Fall Of The Empire
Dark Side Of My Heart
Pandemic
Fast As A Shark
--------------------------
Metal Heart
Teutonic Terror
Son Of A Bitch
Balls To The Wall

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