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anapopovic tourposterDer gute, alte Blues erlebt derzeit ein riesiges Revival, sucht man nach den Gründen wird man schnell fündig. Viele Leute sind einfach den ganzen glattkomprimierten Produktionen und schnelllebigen Trendbands überdrüssig und sehnen sich nach echter Musik. Nicht von ungefähr hat analog die Retrowelle ebenfalls enormen Zulauf. Mit Namen wie Samantha Fish oder Dana Fuchs gibt es auch eine starke weibliche Fraktion. Am bekanntesten und umtriebigsten kann man hier die aus Serbien stammende ANA POPOVIC hervorheben. Wie jeder gute Blueser will auch sie ständig spielen, Ende letzten Jahres war sie hierzulande unterwegs, gerade war sie in den Staaten, nun beackert sie Frankreichs Westen. NECKBREAKER hat ihre Fährte aufgenommen und ein Konzert der Dame in Strasbourg besucht, wo das Au Camionneur das ideale Ambiente bot.

Das Lokal am Rande der City erwies sich als urwüchsiger Bluesclub in altem Gemäuer mit reichlich Charme. Bei der Ankunft war viel Publikum noch mit dem dort servierten Essen beschäftigt, so dass es eng und heiß wurde. Das urige Interieur passt einfach zu dieser ursprünglichen Musik, hätte man nicht fahren müssen, hätte das Bier sicher gemundet. Das Publikum musste sich zwar irgendwo zwischen den Monitoren positionieren, aber das passte schon, viele blieben auch einfach am Tisch sitzen. Immer wieder erhebend ist die geringe Bemusterung mit Bandshirts in unserem Nachbarland, würde in dem Etablissement auch nicht passen.
Zuerst machten einmal die Mitstreiter der Dame mächtig Alarm, nachdem sie für eine Jam zum Einstieg die Bühne erklommen haben. Hier machte vor allem Schlagzeuger Stephane Avellaneda auf sich aufmerksam, dessen furioses Spiel die Songs antrieb. Von der Führung der Stöcke sehr leicht, ähnlich wie ein Jazzer, haute er mit einer Leichtigkeit immer wieder starke Breaks dazwischen. Damit sorgte er für den dicken Groove, welcher sich durch das gesamte Set zog, auch wenn er eher über seine Felle glitt. Dies Talent konnte er dann in den ruhigeren Titeln nutzen, bei denen er sein Kit mit dem Besen bearbeitete.

Dann trat die latent grazile Erscheinung in Form der großgewachsenen Frontfrau auf die Bühne. In ihrem schwarzen Paillettenbustier und den roten Lederhosen wirkt sie schon wie eine Grand Dame, die etwas ungebändigte blonde Mähne spricht eine deutlich wildere Sprache. Ein wenig schüchtern wirkt sie, als ob sie nicht so recht wisse, wie sie mit ihrem Publikum umgehen soll. Dabei musste sie keine Angst haben, jenes feierte die Dame ordentlich ab, dass man sich wirklich erstaunt überzeugen musste, dass da wirklich nur etwa 300 reinpassen. ANA POPOVIC ist keine Showfrau, benötigt keine Mätzchen, sondern will einfach nur spielen. Ihre Zurückhaltung beruhte eher darauf, dass sie sich komplett in ihre Musik zurück zog und ihre Seele wirklich durch ihre Gitarre sprechen ließ.

Eine ausgesprochene Freundlichkeit muss man ihr zugestehen, dennoch war die meiste Interaktion Viersaiter Ronald Jonker vorbehalten, der die Anwesenden immer weiter animierte. Die Dame, welche zumeist eine sehr abgegriffene Strat spielte, war völlig versunken, wenn sie ihren Soli freien Lauf lassen konnte. Sind ihre Kompositionen auf den Alben meist sehr kurz ausgefallen, so reifen sie erst auf der der Bühne zur vollen Blüte. Gerade bei den langen Solopassagen kam dieses urwüchsige Bluesfeeling zum Vorschein, wenn sie mit einer Leichtfüßigkeit über die Saiten gleitet. Im Rhythmusbereich zumeist funkig angehaucht, haute sie hier ihr Gefühl in die Waagschale, wenn sie da oben mit geschlossenen Augen stand und sich total fallen ließ. Am schönsten gelang es ihr bei der ausufernden STEVIE RAY VAUGHN-Hommage am Ende des regulären Sets.

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Diese wildere Linie, die ab und an bei ihr durchschien, wurde von ihrer Backingband noch unterstrichen, die sich trotz ebenfalls schicker Garderobe als ein eher rauer Haufen präsentierte. Aber einer, der ungemein Spaß an der Bühne hat, gerade Avellaneda war ständig zu Scherzen aufgelegt und schnitt Grimassen. Sein Rhythmuspartner an den dicken Saiten macht nicht nur als Sprachrohr auf sich aufmerksam, sondern auch als derjenige der den Vierer immer wieder antrieb. Der kernige Basser hatte ebenfalls so richtig Feuer und wurde ein paar Mal beim Headbanging erwischt. Einzig Keyboarder Michele Papadia war etwas ruhiger hinter seinem Nord-Synthesizer aus dem er feine Pianotöne sowie Orgelsounds herausholte, ohne allerdings die ganz großen Akzente zu setzen. Doch auch er war in ständigem Kontakt zu seinen Nebenleuten, die ein Feuerwerk an Spielfreude in den kleinen Club zauberten.

So kamen auch die äußerst schwülstigen Stücke ihres letzten regulären Longplayers deutlich erdiger rüber. Sind diese auf Konserve stark an zeitgenössischem R´n´B-Sound geschult, rocken sie auf der Bühne deutlich mehr. Bis auf einen Titel von „Still Making History" in der Zugabe kamen alle von den beiden letzten Werken. Stimmlich konnte sie auch ein paar Momente mehr Verruchtheit drauf legen, was sich in solchen Schuppen ja immer gut macht. Mit ihrem Gesang, bei dem sie hier öfter von ihren Kollegen unterstützt wurde, kam sie auch fast an die Klasse ihres Spiels heran.
ANA POPOVIC bringt den Blues wirklich glaubhaft rüber, und findet so den Weg zu ihrem Publikum. In der aktuellen Bluesszene ist so trotz vieler potenter Acts eine Ausnahmeerscheinung, die es auf die größeren Bühnen schaffen könnte. Dann müsste sie sich in den knapp zwei Stunden ein bisschen mehr bewegen, was aber die halsbrecherischen Absätze verhinderten. Wobei es schon cool ist, zu sehen wie sie das Wah Wah-Pedal mit den High Heels betätigt. Cool wirkt sie jedoch nur äußerlich, innen lebt die Bluesseele, die auch JIMI HENDRIX zum umjubelten Abschluss überzeugend zu interpretieren wusste. (Pfälzer)

Setlist ANA POPOVIC:
Ana´s Shuffle
Can You Stand The Heat
Object Of Obsession
Rain Fall Down
Every Kind Of People
Can´t You See What You´re Doing To Me?
Unconditional
Summer Rain
Work Song
Business As Usual
Count Me In
Love Ain´t Real
Gone Home
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Hold On/Crosstown Traffic

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Alle Photos von Cindy



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