2016 03 crossroads rockpalast200pxOh man, beinahe hätte ich mich auf der Autobahn für WUCAN geopfert, denn ich wollte unbedingt Zeit sparen und mich im Auto während der Fahrt umziehen. Mit Büroklamotten am Leib wollte ich nicht unbedingt in der Harmonie in Bonn den Abend verbringen. Also Schuhe aus und Hose runter und dann tja wie bremst man mit einem Schuh unter dem Bremspedal?

Naja wir sind zum Glück lebend aus der Sache rausgekommen und umgezogen habe ich mich dann doch lieber, als wir kurz am Hotel gehalten haben, um wenigstens eingecheckt zu haben. Danach ging es direkt ab zur Harmonie, wo zu dem Zeitpunkt schon alles zugeparkt war. Einfach mal quer vor einen WDR-Truck stellen fand ich denn zu Abwechlung auch mal ganz schick.
Unsere zur Sicherheit vorab erworbene Karte will allerdings keiner haben, denn alle, die an mir vorbeilaufen, haben schon ein Ticket. Ein Blick in die Halle spricht Bände: die ist proppenvoll!

Wucan

Nach kurzer Orientierungsphase werden WUCAN auch schon angekündigt und ich habe, dank des Gedränges rund um die Bühne, große Mühe einen Platz zum Fotografieren zu finden ohne jemandem zu nahe zu treten.
Absoluter Wahnsinn: die Harmonie ist, bis auf den Balkon, jetzt schon komplett mit Zuschauern besetzt. Wirklich alle fiebern den ersten Klängen von WUCAN entgegen.
Das gedämpfte Licht auf der Bühne mit den Streiflichtern der „Moving-Heads“ unterstreicht anfangs den ersten Song „King Korea“, bei dem Francis mit Hut und der Gibson SG umgeschnallt sich in Sound und Rhythmus wiegt. Wie verzaubert schauen alle gebannt nach vorne. Im Publikum sind Männer zu entdecken, welche mit offenem Mund Richtung Bühne starren. Basser Patrick und Gitarrist Tim spielen mit geschlossenen Augen bis das Lied an Fahrt gewinnt. Die Last, die durch die Rockpalast-Aufzeichnung auf den Schultern der Musiker liegt, wandeln sie anscheinend durch höchste Konzentration hervorragend in spielerische Klasse um.
Nach dem ersten Zwischenapplaus, bei dem Francis noch etwas ungläubig in die Mange schaut, geht es weiter mit „Owl Eyes“.
Um ein bisschen das Eis zu brechen, kommentiert Francis nahezu jedes Zirpen oder Rauschen der Technik auf ihre bekannte sympathische Art. Ihre Mitstreiter schmunzeln in ihrer Ecke und schon geht es weiter mit dem Hinweis, dass die nächsten Songs von der ersten Platte stammen. Ich hoffe das nun mehr Leute wissen das Francis nicht mit Nachnamen „Vikarma“ heißt – das Lied heißt „Franis Vikarma“ und das altersmäßig gut gemischte Publikum tanzt zur Wucan´ schen Schicksalsmelodie. Einige Headbanger sind ebenfalls zu beobachten. Der Ruf der Sängerin nach einem Schluck Jägermeister wird alsbald von einem Zuschauer erfüllt. Die Szene ist so hektisch, dass die Kameras der fähigen Rockpalast-Crew kaum hinterherkommen. Ein kräftiger Schluck aus der Pulle und es kann weitergehen. WUCAN rocken, Francis tanzt mit kreisenden Hüften und schleudert abwechselnd zwischen Theremin, Gitarre und Querflöte die langen Locken wobei sie sich öfters mal am Mikroständer „erdet“. Zu aufregend ist dieser Auftritt.
Nach zwei weiteren „alten“ Songs liegt das Augenmerk wieder auf dem neuen Album „Sow The Wind“, beginnend mit „Looking In The Past“.
Nach einigem frenetisch aufbrandendem Jubel kündigt die Band das letzte Stück des Abends an, was mit lautem Murren kommentiert wird, worauf Francis sich genötigt fühlt zu erwähnen, dass das Stück eine epische Länge von gut sechzehn Minuten besitzt.
Am Ende ebbt der Applaus nicht ab und es wird vermehrt nach einer Zugabe gerufen.
Da WUCAN nicht wirklich damit gerechnet haben, wird kurzerhand noch „Crash Course In Brain Surgery“ von BUDGIE runtergerissen. Ebenfalls erwähnenswert ist was für einen guten Job Neu-Drummer Phil nach einer so kurzen Einspielzeit macht. Für meine Begriffe fehlt da nix. Konzentriert treibt er die Songs an.
Ende gut, alles gut könnte man nun sagen. Überwältigt vom Jubel der Anwesenden liegen sich die Musiker sichtlich erleichtert in den Armen und bedanken sich nochmals mit einer ausladenden Verbeugung. Selten hat man einen so gelungenen und herzblutgetränkten Auftritt erleben dürfen.


Setlist WUCAN:
King Korea
Owl Eyes
Franis Vikarma
Wizard Of Concrete Jungle
Dopetrotter
Looking In The Past
Face In The Kraut
Father Storm
Wandersmann
Zugabe: Crash Course In Brain Surgery (BUDGIE)

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THE VINTAGE CARAVAN

Nach einer etwas längeren Umbaupause wird deutlich, dass die drei Jungs von THE VINTAGE CARAVAN gleich die Rock’n’Roll-Kuh fliegen lassen. Auf der Bühne ist viel Platz zum Herumtoben entstanden, der von Frontmann Oskar und Basser Alexander ausgiebig genutzt wird. Das die Isländer gleich mit dem Kracher „Babylon“ starten, lässt mich an der Energie der restlichen Show zweifeln. Jedoch werde ich eines besseren belehrt. Um mich herum tobt die Meute und so mancher lässt entweder den Bart wippen oder die Haare fliegen. Frauen tanzen bzw. biegen sich haareschwingend im Takt.
Bei „Crazy Horses“, zu dem Bassist Alexander anmerkt, dass das Lied polarisiert weil es nicht bei jedem gut ankommt, sie es aber trotzdem spielen werden, drehen die Leute richtig durch. Die drei Isländer sind nun richtig warm gespielt, aber wir müssen nun mal Flüssiges nachtanken und Oskars bis zum Bauch aufgeknöpftes voll geschwitztes Hemd kurz aus dem Kopf bekommen. Glücklicherweise kann man seitlich der Bühne auch gut sehen was da los ist. Zwischen den Kameraleuten und den riesigen Kameras sieht man den agilen Dreier hin und her flitzen. Ständig animiert einer der Jungs die Menge zum Mitmachen. Wir stehen wirklich gut am Merchbereich und schauen mit den sichtlich entspannten WUCAN den Gig von THE VINTAGE CARAVAN zu Ende. Nach dem vermeintlich letzten Lied „Expand Your Mind“ wird von den Fans lautstark Zugabe gefordert. Mit „Midnight Meditation“ vom Album „Voyage“ hüpfen die Burschen, nach wie vor sehr munter, von der Bühne – in unsere Arme. Nach etwas isländischem Schweiß gibt’s dann auch noch eine Runde Kräuterschnaps, bevor der Rest des Abends in dessen Dunst versinkt.

Setlist THE VINTAGE CARAVAN:
Babylon
Craving
Shaken Beliefs
Let Me Be
Innerverse
Crazy Horses
Monolith
Cocain Sally
Carousel
Last Day Of Light
Expand Your Mind
Zugabe
Midnight Meditation

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An so einer Aufzeichung des Rockpalast teilhaben zu können ist schon sehr schick. Wenn man sich mal an die immer präsenten und nach interessanten Ereignissen lauernden Kameraleute gewöhnt hat, ist so eine Veranstaltung praktisch wie jedes andere Konzert auch, nur mit mehr Pfeffer. Geht etwas schief, ist es meist für die Ewigkeit aufgezeichnet.

Bin ich bei einem Lieblingssong wild am Headbangen, so habe ich den Fokus der Kamera sicher – Mama, ich komm im Fernsehen!
Das vier Tage andauernde Crossroads-Festival, von dem dieser Donnerstag erst der zweite Festival-Tag war, hatte am ersten Tag FISHER-Z und THE DEAF im Programm, welche vor ausverkauftem Haus spielten. Freitag und Samstag brachten MY BABY, THORBJØRN RISAGER & THE BLACK TORNADO, DIZZY MIZZ LIZZY UND STEVE WAITT die Harmonie zu beben. Selten kann man so ein intensives Konzert bzw. Festival erleben, bei dem alle beteiligten Musiker so angenehm und unkompliziert rüberkommen.
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Desweiteren macht das Rockpalast-Team in diesem heiteren Trubel einen großartigen Job. Das Crossroads-Festival dürften sich andere Städte gerne zum Beispiel nehmen ebenfalls handverlesene musikalische Perlen des Rock und Blues zu präsentieren. Mehr als zwei pro Abend sollten es aber wirklich nicht sein um Zeitdruck in der Veranstaltung zu vermeiden.
War großartig dabei zu sein, oder wie es Oskar von THE VINTAGE CARAVAN sagte: "the legendary rockpalast – fuck yeah!"

Text: Andreas
Fotos: Andreas/Karin

Sendetermine vom Crossroads Festival

Im WDR Fernsehen:

So/Mo, 11. April 2016 00.15 Uhr Crossroads Highlights
So/Mo, 13. Juni 2016 00.15 Uhr MY BABY, THE DEAF
So/Mo, 20. Juni 2016 00.15 Uhr DIZZY MISS LIZZY, STEVE WAITT
So/Mo, 27. Juni 2016 00.15 Uhr THE VINTAGE CARAVAN, WUCAN
So/Mo, 04. Juli 2016 00.15 Uhr THORBJÖRN RISAGER & BLACK TORNADO, FISCHER Z

in 3Sat:

So/Mo, 25- April 2016 00.15 Uhr MY BABY, DIZZY MISS LIZZY, THE VINTAGE CARAVAN, THE DEAF
So/Mo, 02. Mai 2016 00.15 Uhr FISCHER Z, WUCAN, THORBJÖRN

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