Mehrfach-Wertung der RedaktionWintersun - Tim IAcht Jahre - man hätte es kaum für möglich gehalten und die ersten Parallelen zu "Chinese Democracy" wurden schon gezogen, doch Jari Mäenpää, Kopf von WINTERSUN, hat es doch geschafft: Der langersehnte Nachfolger des 2004er Debütalbums steht in den Läden. Gründe für die lange Wartezeit gab es viele: Von privaten Problemen des Bandchefs angefangen über abrauchendes Studioequipment bis hin zu dem Anspruch, ein episches Meisterwerk bis zum letzten Ton perfekt zu produzieren, war die Entstehung von "Time I" wohl auch ein Leidensweg mit vielen Rückschlägen. Acht Jahre sind auch eine lange Zeit, um sich sowohl als Mensch als auch Musiker zu verändern, so dürfte es auf der Hand liegen, dass "Time I" sich stark von dem hochgelobten Hammerdebüt unterscheiden würde. Fragt sich nur, in welche Richtung...

Eine Richtung habe ich in der Einleitung ja vorweg genommen: "Time I" ist nochmal ein ganzes Stück epischer, als sein Vorgänger. Wo auf "Wintersun" noch Synthesizer rauszuhören waren, präsentiert sich "Time I" im bombastischen Orchestergewand. Vieles von den Melodien und Arrangements (z.B. im Intro-Track "When Time Fades Away") erinnert auch an die Melancholie asiatischer Wuxia-Filme, den Kampfkunst-Dramen mit Märchen- bzw. Fantasy-Elementen wie "Tiger And Dragon", "Hero" oder "House Of The Flying Daggers", womit WINTERSUN zumindest bei mir schon mal offene Türen einrennen.

Ansonsten gibt es aber WINTERSUN at its best: Stakkato-Riffs, Blastbeats, durchsetzt mit fast schon progressiven Frickel-Melodien und immer wiederkehrenden, epischen Folk- und Pagan-Passagen: großartige und eingängige Melodien und Schlachtengesang, die auch besonders in den langsamen Momenten wie in "Land of Snow and Sorrow" an frühe ENSIFERUM-Songs erinnern. Aber wen wundert's...?

Einen Haken hat die Sache allerdings: Nimmt man es genau und zieht man das Intro und das instrumentale Zwischenspiel "Darkness And Frost" ab, bleiben auf "Time I" nur drei "richtige" Metalsongs übrig und die eignen sich allein schon wegen ihrer Überlänge nicht wirklich zum "mal eben in den Player werfen". Besonders das 13-minütige und mehrteilige "Sons Of Winter And Stars" und der fast 12-minütige Titeltrack "Time" zum Abschluss sollten aufmerksam und nicht nebenbei genossen werden, da sonst die vielen Feinheiten und fast schon liebevollen Details in den Songs völlig untergehen. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt: "Time I" wächst mit jedem Durchlauf, weshalb besonders Anhänger des ersten Albums die Enttäuschung über das vermeintliche Fehlen von Hits wie "Winter Madness" oder "Battle Against Time" beim ersten Durchlauf runterschlucken und dem Album direkt einen zweiten oder sogar dritten Durchlauf gönnen sollten.

Was bleibt zu sagen? Mich persönlich stimmt "Time I" nachdenklich. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben, hätte ich mir unterm Strich noch mehr davon gewünscht. Wie der Titel schon andeutet, ist "Time I" auch nur der erste Teil eines zwei Alben umfassenden Gesamtwerks. Keine Ahnung, wie ich es in Worte fassen soll, aber genau das ist auch das Gefühl, das "Time I" hinterlässt: Es muss doch eigentlich noch weitergehen, ich bin noch nicht fertig mit Hören, das war doch noch nicht alles! Von daher ist es zumindest ein Trost, dass das Material von "Time II" schon fertig ist und nur noch gemischt werden muss. Das sollte jetzt ja keine weiteren 8 Jahre mehr dauern, bis "Time" dann endlich komplett ist. (Mika)

Bewertung: 8 / 10


Anzahl der Songs: 5
Spielzeit: 40:06 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 19.10.2012

Wertung der Redaktion
Maik Anne Sebastian Jochen Jannick Rainer Brix
8
7 8,5 7
7
7 6
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