accept riseofthechaos200nb mehrfachwertungNachdem es seit Wiederaufnahme der Solinger Stahlschmiede Schlag auf Schlag ging, haben sich die Herren nun drei Jahre Zeit gelassen, um neues Material aufzunehmen. Man muss allerdings sehen, dass man das letzte Output "Blind Rage" in Europa zweimal betourt hatte und anschließend noch mit SABATON unterwegs war. Dazu trennte sich das Kerntrio von Stefan Schwarzmann und Herman Frank, und engagierte mit Uwe Lullis einen neuen Gitarristen und Christopher Williams einen Neuzugang an den Kesseln. Doch nun hat das Warten ein Ende, "Rise Of The Chaos" heißt die Langrille und soll den Lauf fortsetzen, den ACCEPT in den letzten Jahren hatten.

Mit einem Songtitel wie "Die By The Sword" werden zu Beginn wenig Gefangene gemacht, so buchstabiert man Metal, doch vom Tempo her agiert man ein wenig mit angezogener Handbremse. Auf den bisherigen Langeisen mit Mark Tornillo am Mikro setzten man mit Stücken wie "Hung, Drawn And Quartered" oder "Stampede" die Tradition von DoubleBass-Hämmern wie "Fast As A Shark" fort. Hier geht man von der Geschwindigkeit nicht ganz an den Anschlag und auch sonst bleibt die Handbremse gerne mal in der Position eines alten Ford.

Als einzig richtige Up-Tempo-Granate erweist sich "Carry The Weight", welches sich aber ziemlich am Ende des Albums versteckt. Auch in Sachen Songlängen haben sich Hoffmann, Baltes & Co. merklich zurück gehalten, so pendeln sich die meisten Stücke um vier Minuten ein. Normalerweise begrüße ich die Reduzierung auf das Wesentliche, doch bei dieser Formation konnte man immer noch ein paar Sachen entdecken. So vermisst der Hörer die ausufernden Soli, die gerne ein paar Klassikzitate abrufen dürfen, und lediglich die melodische Bridge von "No Regrets" schert aus dem Strophe-Refrain-Schema aus.

Natürlich ist da wo ACCEPT drauf steht auch Edelstahl aus der Messerstadt drin, doch man reicht nicht ganz an die hohe Qualität der drei Vorgänger heran. Auch ein Andy Sneap hat schon mal einen schneidenderen und knackigeren Sound ausgetüftelt, es fehlt ein wenig die Schärfe. Witzigerweise klingen die leicht angstumpften Gitarren wie von den jüngsten Werken ihres ehemaligen Frontmannes U.D.O. Zwar holte die britische Produzentenkoryphäe aus dessen Nachfolger ein paar tolle Screams heraus, aber der neue Mann an der Schießbude könnte sich bemerkbarer machen.

Bestes Beispiel für die Schwächen ist das vorab veröffentlichte "Koolaid", das neben viel aktuellem Lyricbezug das Jonestown Massaker, den Massenselbstmord der Sekte von Jim Jones im Dschungel von Guyana, beleuchtet. Der Titel ist eigentlich klassischer ACCEPT-Stoff, mit Elementen, wie man in ihrer gesamten Karriere, sowie auch auf "The Rise Of Chaos" findet. Seien es die Leads zum Auftakt, den stampfenden, vom pumpenden Bass getriebenen Groove, die voluminösen Chöre oder die dezent rockige Note. Hier findet man alles wieder, doch insgesamt fehlt hier die Durchschlagskraft.

Zwar versucht man die nicht ganz so kraftvolle Grundstimmung mit durchweg hartem Material zu kaschieren, nimmt damit aber auch ein bisschen Abwechslung heraus. Powerballaden wie "Shadow Soldier" sucht man hier vergebens, es herrscht meist gehobenes Tempo vor, am melodischsten entpuppt sich "Worlds Colliding". Bereits auf "Russian Roulette" fuhr die Truppe seinerzeit ein wenig die Power zurück, doch damals waren es die Chorarrangements des Titeltracks oder die Ballade "It´s Hard To Find A Way", die neue Wege eröffneten.

Wenn man bei dem Werk Auflockerung des stoischen Grundschemas sucht, so wird man bei "Analog Man" fündig, welches sich bei AC/DC bedient. Das gab es in der Vergangenheit zwar schon mit "Bulletproof" oder "Don´t Go Stealing My Soul Away", aber ACCEPT zaubern aus der Verbindung immer etwas Großes. Ebenfalls eingeschlichen haben sich ein paar moderne Nuancen, wie etwa im Titellied, die aber zum Glück nicht mal an die Verwässerung von "Predator" heran reichen. In der Dosierung wirken sie wie eine Bereicherung, was der düstere Rausschmeißer "Race To Extinction" beweist.

Auch wenn es sich bei "The Rise Of Chaos" nicht um ihr stärkstes Album handelt, so sind die Fünf den Legionen von Nachahmern immer noch weit voraus. Nicht nur weil bei ihnen die Legierung originär klingt, die Umsetzung kann sich trotz der kleinen Schwächen ebenfalls sehen lassen. Die Riffs mahlen immer noch, der Groove ist archetypisch und Wolf Hoffmann kann selbst mit zurückgefahrenen Soloausflügen glänzen. Damit bleibt die wichtigste deutsche Metalband klar auf Kurs, auch wenn man in Zukunft beobachten muss, wie sie den Spagat aus Erwartungshaltung und der notwendigen Entwicklung hin bekommen. (Pfälzer)

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 46:17 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 04.08.2017

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Andreas 6,5 6,5 / 10

Klaus8,0 8 / 10

Maik9,5 9,5 / 10

Pascal8,0 8 / 10

Alex29,5 9,5 / 10

Alex27,5 7,5 / 10

Karin 7,07 / 10


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Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #21584 1 Monat 4 Tage her
Sehe ich ähnlich, das ist nach der Reunion das erste reine Nummer-Sicher-Album, schade! Mich wundert es echt, dass es hier so viel besser abschnitt als "Blind Rage"?!
Andreass Avatar
Andreas antwortete auf das Thema: #21583 1 Monat 4 Tage her
"i need you, like a hole in my head!"

ACCEPT veröffentlichen heute ihr neues Album "Rise Of Chaos" was zunächst nach Kreator aussieht aber doch eher Heavy Metal statt Thrash Metal ist. Hat seine Momente und ein paar Songs die sich auch mal im Ohr festsetzen, glänzt jedoch überwiegend mit uninspirierten Wiederholungen alter Glanztaten und wie immer ohne "Metal Heart" oder "Fast As A Shark" - Nachfolger ;)
Klingt gut während der Autofahrt, bleibt jedoch auf lange Sicht unter dem Status einen Klassikers und kann als ordentliches Lebenszeichen gewertet werden. Live sind ACCEPT ja eh eine ganz andere Nummer. Dies Album ersetzt die energetische Liveperformance der Herren nicht, denn es wirkt einfach zu roboterhaft.

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