interview FlorianHofer 20140311 01 quadratFLORIAN HOFER präsentiert mit "Reaching" eine 1A-Rockplatte, an welcher sich so mancher Musiker Mal eine Scheibe abschneiden sollte. Für mich persönlich stellt "Reaching" eines der ersten Highlights des noch recht jungen Jahres dar. Und da ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, FLORIAN HOFER ein paar Fragen zum aktuellen Album, aber auch zu seiner Vergangenheit und seiner musikalischen Karriere zu stellen. Das sehr interessante Gespräch zeigte, dass FLORIAN HOFER ein sehr bodenständiger und sympathischer Musiker ist. Aber lest selbst.

Pascal: Ich höre mir momentan dein aktuelles Album "Reaching" an und muss zugeben, dass mir das Album richtig gut gefällt. Dabei gefällt mir vor allem dieser wirklich erdige und grandiose Sound. Ihr habt alles analog aufgenommen, oder?

Florian: Hi Pascal, danke für dein Interesse, ich bin sehr froh, dass dir "Reaching" gefällt. Ich hätte gerne alles "live" auf Tape aufgenommen, aber leider hatten wir dieses Mal kein Budget dafür. Lediglich die Bassspuren, die mein guter Freund und Audio-Engineer-Legende Henry Hirsch aufgenommen und gespielt hatte, wurden in New York auf Tape aufgenommen.

Pascal: Wie ich in der Kurzbiografie gelesen habe, bist du generell eher der Fan von analogem Aufnehmen. Kannst du dir heutige Bands überhaupt noch anhören? Die meisten neuen Alben klingen ja doch sehr überproduziert, und damit sind die Alben oft sehr klinisch und ohne Gefühl.

Florian: "Live auf Tape" ist der einzige Weg, Musik lebendig aufzunehmen. Alles andere macht sie steif und uninteressant. Keine meiner Gesangsspuren wurde am Computer verbessert. "Reaching" klingt deswegen auch nicht perfekt, und das soll es auch nicht sein. Das Wichtigste am Aufnehmen mit Tape ist, dass man eine richtige Performance abliefern muss. Es sind genau diese energetischen Momente, die wir von Künstlern wie den Jungs von LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX oder den BEATLES so schätzen. JACK WHITE hat einmal gesagt, Aufnahmen mit Computerprogrammen zerstören jeglichen Sinn für Kreativität. Es klingt vielleicht etwas extrem, aber im Prinzip hat er Recht. Als George Martin mit den Beatles im Studio stand, wurde an jedem einzelnen Soundeffekt auf 'Sgt.Pepper' hart gearbeitet. Die Aufnahmen der Beatles sind gerade deswegen zeitlos, weil sie aus gutem Songwriting und tollen Performances bestehen. Dass Tape auch noch besser klingt, ist nur ein toller Nebeneffekt. Warum also kein Tape benutzen?! Es klingt besser und verlangt die beste Performance.

Pascal: Wie gehst du ans Songwriting?

Florian: Das kann sehr unterschiedlich sein. Es passiert, dass mir eine Melodie oder eine Textpassage einfach so zufliegt, z.B. beim Laufen oder Essen. Dann gehe ich dieser Idee nach und entwickele den Song weiter. Am meisten Spaß macht es, die Ideen mit der Band auszuarbeiten. Gerade heute hatten wir eine für uns neue Methode im Proberaum ausprobiert, nämlich einfach zu jammen. Ich bin nicht der größte Fan was Jammen angeht, aber es hat sich heute am Ende eine sehr coole Idee daraus entwickelt. Die wichtigste Regel ist, es gibt keine Regel.

Pascal: Woher ziehst du die Inspiration für deine Texte?

Florian: Es kann sein, dass man eine aktuell erlebte Situation verarbeitet oder eine Sache, die einen schon länger beschäftigt. Aber auch Geschichten, die man von anderen erzählt bekommt, Träume, ...

Pascal: Wer ist für den Bass auf dem Album verantwortlich? Besonders bei „Can You Feel Me" und "On My Knees" gefällt mir dieser besonders gut.

Florian: Das wird meinen alten Freund Markus Allhenn freuen. Diese Songs wurden 2010 aufgenommen. Ich hatte damals gerade mit dem Singen angefangen. Zusammen mit Markus und Schlagzeuger Hellfried Grygar haben wir in einer Bauernhofscheune die 'West Coast Tales'-Songs aufgenommen. Mein Album besteht ja aus zwei Teilen, den 'East-und West Coast Tales'. Alle 'West Coast Tales' wurden 2010 aufgenommen, 'East Coast Tales' 2013.

Pascal:  Ich bin zwar selbst Gitarrist, allerdings erkenne ich den Gitarreneffekt bei „Why" nicht wirklich. Arbeitest du dort mit einem Wah Wah und cleanem Sound?

Flroian: Ganz genau. Es ist meine 70er Strat zusammen mit meinem 60er Vox WahWah. Der Hall kommt von meinem Fender Super Reverb Verstärker.

Pascal: Verwendest du sonst irgendwelche bestimmte Effekte?

Florian: Ich mag den Vibe-Effekt, wie ihn Hendrix oft benutzt hatte. Vor ein paar Tagen war ich auf einem Show Case einer neuen Band namens 'GoGoBerlin'. Einer der Gitarristen hat ein Pedal, das den 'Tape-Rewind-Effekt' simulieren kann. Wow?! Ich wusste nicht, dass es das gibt. Das muss ich mir mal genauer ansehen. Ansonsten benutze ich zu Zeit keine weiteren Effekte. Ich bin aber offen für alles.

Pascal: Gibt es einen speziellen Verstärker, auf den du schwörst? Sowohl für die Aufnahmen als auch für Livekonzerte?

Florian: Fender Super Reverb.

Pascal: Welche Gitarrenmodelle liegen dir besonders am Herzen?

Florian: Ich besitze 2 Fender Stratocaster. Die eine ist eine echte 70er, die andere eine 90er. Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich mir mit Sicherheit auch ein paar Gibsons zulegen! SG, Flying V oder eine echte alte Epiphone Casino.


"Twitter und Facebook sind billig und gehören eher in die Kategorie McDonalds. Feinschmecker wissen das und kaufen sich das Album im Laden und gehen auf die Konzerte.""

Die Neckbreaker-Leserschaft gehört mit Sicherheit zu diesen Feinschmeckern!


Pascal: Hast du dir das Gitarre spielen selbst beigebracht?

Florian: Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, hatte ich Unterricht bei einem Gitarrenlehrer. Im Prinzip lerne ich immer noch. Gitarre spielen beinhaltet ja nicht nur die Technik der Finger, sondern auch Timing und Dynamik. Deswegen habe ich zum Beispiel auch sehr viel vom Schlagzeuger Atma Anur über mein Gitarrenspielen gelernt, obwohl er selbst nicht Gitarre spielen kann.

Pascal: Wenn ich fragen darf, wie hast du deine Musikkarriere mit Schule und allen anderen Verpflichtungen unter einen Hut gebracht?

Florian: Das mit der Schule hatte sich irgendwann mehr oder weniger von selbst erledigt, wenn du weißt was ich meine. Als das Gitarre spielen immer wichtiger wurde, wurden meine Noten immer schlechter. Ich kann sagen, ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich meinen Weg niemals so gehen können, wie ich ihn heute immer noch bestreite. Ich werde oft gefragt, ob ich keine Angst um die Zukunft habe. Dazu kann ich nur sagen, dass es sich richtig anfühlt, was ich mache und dass ich meinem Herzen folge. Alles andere wäre sinnlos.

Pascal: Du hattest zu Beginn in einigen Coverbands gespielt, was für Coverbands waren das?

Florian:Es waren Bands mit Jungs aus meinem Heimatort. Wir haben Songs von Mr.Big, Deep Purple und Jimi Hendrix gecovert. Es waren damals unsere ersten Erfahrungen und wir hatten dabei eine Menge Spaß. Es hat mir auch geholfen, meinen späteren Weg herauszukristallisieren und zu erkennen, wer ich bin.

Pascal:  Hast du in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln können?

Florian: Sehr viele, meine ersten Versuche als Sänger und Songwriter. Wir hatten auch ein paar Originalstücke im Set.

Pascal: Hattest du Gesangsunterricht oder hast du dir das Singen selbst beigebracht?

Florian: Das meiste habe ich mir selbst beigebracht. Für ein paar Wochen hatte ich einige Unterrichtsstunden bei einer klassisch ausgebildeten Sängerin, um mir ein paar Techniken und Übungen zeigen zu lassen.

Pascal: Wie ich gelesen habe, kamst du schon sehr früh mit der Musik der 60er und 70er Jahre in Berührung. Gibt es noch andere Bands, die dich maßgeblich beeinflusst haben oder besser gesagt, gibt es bestimmte Bands, die dich besonders beeinflusst haben?

Florian: Die meisten Bands, die mich beeinflussen, kommen aus dieser Zeit. Die BEATLES, JIMI HENDRIX, LED ZEPPELIN, THE DOORS. Jedoch gibt es auch spätere bzw. aktuellere Artists, die mich beeinflussen wie zum Beispiel BOB MARLEY, JACK WHITE, LENNY KRAVITZ. Ich höre auch sehr gerne aus meiner Vinyl-Sammlung Aufnahmen von DJANGO REINHARDT, THE BUENA VISTA SOCIAL CLUB und TRACY CHAPMAN ...

Pascal: Du bist 2012 nach Los Angeles gegangen, wie gefiel dir die Zeit dort? Konntest du viele Erfahrungen sammeln?

Florian: Los Angeles ist eine unglaublich große und vielseitige Stadt. Als ich dort ankam, waren die Scorpions gerade auf Tour und zu dieser Zeit hatte ich mit deren Bassist (Pawel Maciwoda) ein Bandprojekt (Stirwater). Pawel hatte mich überall mit hingenommen und ich konnte sehr schnell Anschluss an die Szene und Leute finden. Es ist ein komplett anderer Lebensstil, den man dort fährt. Alles ist immer weit weg und die Konkurrenz ist groß. Was ich gleich merkte und mir sehr gut gefiel, war, dass man als Künstler nicht so sehr heraussticht, wie man es hier in Deutschland macht. Anfangs musste ich mich ganz schön vor meiner Familie und meinen Freunden rechtfertigen, als ich anfing, von der Musik als meinem Lebensweg zu reden. Nicht, weil sie nicht an mich geglaubt hätten, sondern weil es bei uns einfach nicht sehr oft vorkommt, dass jemand alles hinschmeißt und es einfach ohne eine Art von Ausbildung oder Studium versucht. In Los Angeles ist das ganz normal, was nicht heißt, dass es dort einfacher ist. Man fühlt sich dort mehr als hier in seiner Sache bestätigt. Auch die teilweise einsamen Momente geben mir heute noch Ideen für meine Songs. Ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Pascal: Ist die Musikszene in Los Angeles nach wie vor groß? Ich kenne eigentlich mehr oder weniger nur die Geschichten aus den 80ern.

Florian: Ich würde sagen, die Szene ist im Vergleich zur Größe der Stadt nicht besonders aktiv. Generell scheint die Stadt etwas hinter ihrer Primetime zu sein. Nichtsdestotrotz ist LA immer noch ein wichtiger Ort für die Industrie. Es kommt auch immer darauf an, was man sucht. Wer gerne jammt, ist in New Orleans oder Nashville vielleicht besser aufgehoben. Die beeindruckendste Szene, die ich bis jetzt kennenlernen konnte, ist die in London. Dort gibt es so unglaublich viele gute Musiker und auch gute Live Clubs.

Pascal: Wird es zu "Reaching" eine Tour durch deutsche Klubs geben?

Florian: Zurzeit suchen wir nach einer Tour, die wir als Support-Act begleiten können. Ich denke nicht, dass wir in naher Zukunft eine Headline-Tour durch Deutschland starten. Aber man kann ja nie wissen.

Pascal: Welches Konzert ist, für dich persönlich, das bisher beste deiner Karriere?

Florian: Das beste Konzert ... schwer zu sagen. Das letzte Konzert in Krakau mit Till und Albrecht hat sich wirklich gut angefühlt. Die Atmosphäre und die Energie waren wirklich sehr intensiv. Es machte einfach Spaß, mit den beiden zu spielen.

Pascal: Und welches Konzert, auf dem du selbst als Fan warst, ist dir bisher am Besten in Erinnerung geblieben?

Florian: Das Konzert von PHILIP SAYCE im Sinkkasten in Frankfurt a.M. Es war das erste Mal, dass ich von einer Performance komplett umgehauen wurde. Ich konnte es einfach nicht glauben, was für eine Energie die Band erzeugte.

Pascal: Zum Abschluss würde ich gerne noch ein paar Fragen zur aktuellen Lage der Musikindustrie und generell der Musik im digitalen Zeitalter machen. Schon seit einigen Jahren gehen die Platten- und CD-Verkäufe stark zurück. Mittlerweile hat sich die Industrie wieder ein wenig erholt und legale Downloads nehmen immer mehr zu. Wie stehst du zu neuen Streamingdiensten wie Spotify oder den digitalen Downloads?

Florian: Ich bin froh, dass es mittlerweile eine Möglichkeit gibt, Musik auf eine Art zu verbreiten, die für beide Seiten - den Musiker und den Musikhöre - fair ist. Bevor es Download-Portale gab, wurden CDs kopiert, bzw. die Leute warteten vor dem Radio mit einem Kassettenrecorder bis ihr Lieblingssong lief, um ihn mitzuschneiden. Ich bin kein Geschäftsmann und habe auch nicht den vollen Durchblick, wie die Musikindustrie komplett funktioniert, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es wichtig ist, dass Künstler für ihre Arbeit entlohnt werden. Allein schon um die Möglichkeit zu haben, weiter an ihrer Sache zu arbeiten und sich darauf zu fokussieren.
Mit einem Knopfdruck deine Songs weltweit zu verteilen, ist toll. Ich selbst nutze Streamingdienste wie Spotify aber eher selten. Durch die moderne Technik entstehen leider auch sehr viele billige Produkte, die das Radiohören oft langweilig machen. Zum Glück gibt es auch viele neue Acts mit viel Potenzial , die die Wichtigkeit von Authentizität und Performance erkannt haben.

Pascal: Soziale Netzwerke, wie z.B. Facebook, erfreuen sich bei der Jugend in der heutigen Zeit großer Beliebtheit. Ich selbst sehe darin eher eine Gefahr als ein Nutzen, da die gesamte soziale Kommunikation sozusagen verloren geht. Viele Bands haben mittlerweile allerdings keine Homepage mehr, sondern legen sich Facebookseiten zu, auf denen sie dann versuchen, Kontakt zu ihren Fans herzustellen. Denkst du, dass dies in der heutigen Zeit der richtige Weg ist? So gesehen ist die Kommunikation zwar einfacher und schneller, aber ich persönlich denke, dass Bands sich viel mehr anstrengen müssen, um aus der Masse heraus zu stechen.

Florian: Facebook oder auch andere Social Media Anbieter sind für mich einfach eine von vielen Möglichkeiten mit Leuten in Verbindung zu treten bzw. seine Idee vorzustellen. Wenn es um Onlinepräsenz geht, denke ich, dass eine eigene Website immer noch das Beste ist. Am wichtigsten ist, dass man als Künstler rausgeht und dem Publikum in der wirklichen Welt zeigt, worum es geht. Ich glaube nicht, dass es viel einfacher oder schwerer war, als die BEATLES auf der Reeperbahn gespielt haben, dennoch beneide ich sie sehr um ihre Zeit. Der Gedanke, dass man mit seinen Fans per Brief bzw. persönlich in Kontakt tritt, gefällt mir gut. Ich habe vor wenigen Tagen meine erste handgeschriebene Fanpost erhalten. War ein tolles Gefühl und ich habe auch gleich per Hand zurückgeschrieben. Twitter und Facebook sind billig und gehören eher in die Kategorie McDonalds. Feinschmecker wissen das und kaufen sich das Album im Laden und gehen auf die Konzerte.

Pascal: Vielen Dank für deine Zeit, ich hoffe ich werde mal die Gelegenheit haben, mir ein Konzert von dir anzusehen.

Florian: Danke für dein Interesse und Fragen! Bis dann.

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