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interview ScorpionChild 20140518 00Nach dem grandiosen selbstbetitelten Debütalbum und zwei genialen Konzerten musste ich, nach den Ereignissen bei dem letzten Konzert in Saarbrücken, unbedingt bei Sänger Aryn Jonathan Black von SCORPION CHILD nachfragen, wie es mit der Band weitergeht. Dabei kam ein interessantes Interview zustande, bei dem es nicht nur um die Zukunft der Band ging.

Pascal: Hallo Aryn, eure Europatour ist vorbei, wie fühlst du dich?

Aryn: Großartig!

Pascal: Bist du zufrieden mit der Tour?

Aryn: Insgesamt waren die Termine ein wahrer Segen. Wir lieben die Fans aus Europa und Großbritannien. Als Musiker auf Tour kommt man sich immer ein wenig nomadenhaft vor, und viele Orte sind unser Zuhause. Die Shows in Deutschland sind unsere Favoriten!

Pascal: Wie ich erfahren habe, gibt es nach wie vor Probleme mit eurem Lineup? Euer Bassist hat euch zwei Tage vor dem Gig in Saarbrückenverlassen. Es tut mir leid das zu hören, aber ich bin wirklich froh darüber, dass ihr das Konzert nicht abgesagt habt. Eine mutige Entscheidung mit einem guten Ende. Wie geht es nun weiter?

Aryn: Es sind keine besonderen Lineup-Probleme. Ich finde, dass jede Veränderung ihre Vorteile hat. Unser Bassist wollte bei seiner Familie sein, und eines Mannes Familie steht immer an erster Stelle. Was unsere Shows angeht, kann uns nichts abgesehen vom Tod, Krankheit oder der ultimativen Auflösung davon abhalten, unsere Tour weiterzumachen. Wir haben einen Freund von uns, der wirklich einer meiner liebsten Bassisten ist, darauf trainiert, eine verbleibende US-Tour und die Festivals in Europa mit uns zu spielen. Danach werden wir damit anfangen das nächste Album aufzunehmen!

Pascal: Ich habe außerdem gelesen, dass ihr euch nicht nach einem neuen Gitarristen umschauen werdet. Für mich persönlich war euer Sound auf der Bühne ohne einen zweiten Gitarristen ein wenig dünn. Ihr klingt natürlich nach wie vor sehr cool, aber eure damalige Show in Trier mit zwei Gitarren klang besser. Denkst du ihr werdet eure Entscheidung überdenken?

Aryn: Tut mir leid, dass du das so empfindest. Dadurch, dass wir unser Lineup auf einen Gitarristen reduziert haben, höre ich meinen Gesang jetzt viel besser. Wir haben sehr viele Meinungen darüber gehört, wie wir nun zu viert klingen. Wir spielen mit dem
Gedanken, entweder einen Orgelspieler oder vielleicht wieder einen zweiten Gitarristen dazu zu holen, doch erst wenn die Zeit reif dazu ist. Was das Schreiben des nächsten Albums betrifft verderben zu viele Köche den Brei.

Pascal: Ok, genug von der Line-Up Sache. Euer Debütalbum "Scorpion Child" ist wirklich fantastisch und ich mag jeden Song davon. Wie sieht bei euch das Songwriting aus?

Aryn: Vielen Dank! Wir sind wirklich stolz darauf. Die Songs wurden alle unterschiedlich geschrieben. Jeder Song hat seine ganz eigene Form von Magie. Einige wurden von Filmen inspiriert, andere von einem dramatischen Erlebnis in unserem Leben und einige schrieben sich von selbst. Wir werden weiterhin neue Ansätze zulassen, damit unser Sound frisch und interessant bleibt.

Pascal: Gibt es Songs aus der Frühzeit der Band, die irgendwann veröffentlicht werden?

Aryn: Das ist eine gute Frage! Hmmmm (lacht).

Pascal: Wie viel Zeit nahmen die Aufnahmen für das Album in Anspruch? Gibt es bereits neue Songs?

Aryn: Alles zusammen hat etwa einen Monat gedauert. Die einzelnen Aufnahmesessions haben sich aber über eine längere Zeit verteilt. Das nächste Mal sollte es nicht so lange dauern, zumal wir bereits begonnen haben, an neuem Material zu schreiben und jederzeit mit der Vorproduktion anfangen können.

interview ScorpionChild 20140518 01

Pascal: Welche Bands sind die Haupteinflüsse für SCORPION CHILD?

Aryn: Zu viele um alle aufzulisten. Das wechselt und entwickelt sich ständig. Wir werden weiterhin unsere Einflüsse aus dem Sounduniversum ziehen, das wir bereitgestellt bekommen. Um den Frust zu reduzieren, den diese Antwort möglicherweise auslösen könnte, hätte ich folgende Genres auf Lager: Krautrock, Noise Groups, Heavy Metal, Punk, Glam, Folk/Psych. Ich fahre sehr auf Bands ab, die sich vom restlichen Trend ein wenig absetzen und ihr eigenes Ding machen. Ich mag z.B. WINDHAND, CHURCH OF MISERY und NAZARETH, aber genau so DANIEL MENCHE, NEUROSIS und AT THE GATES. Vor Kurzem sah ich zum ersten Mal GODFLESH, und es war unglaublich erfrischend, der Band beim Spielen zuzusehen.

Pascal: Bist du zufrieden mit dem Erfolg der Band? Ich denke, dass ihr eine wirklich besondere Band in diesem ganzen „Classic-Rock-Revival" seid.

Aryn: Ich weiß das sehr zu schätzen. Erfolg ist immer eine Kombination aus harter Arbeit, Glück und eventuell Talent. Um sowohl den modernen Zuhörer als auch die älteren Fans zu integrieren, musst du eine gute Balance für die Musik finden, die du in der aktuellen Lage kreierst. Ein guter Deal beim Songwriting ist es, Stoff zu schreiben, der letzten Endes nicht verwendet wird. Es hilft uns dabei, besser herauszufinden, wer wir wirklich sind. Der Scharfsinn, die Balance zwischen dem Vertrautem und neuen musikalischen Gebieten zu finden, ist sehr wichtig für uns. Bands sollten niemals Angst davor haben, neue Sounds oder Instrumente zu testen. Wir genießen es einfach, Spaß zu haben!

Pascal: Wie denkst du über diese ganze „Classic-Rock-Revival"-Sache? Es gibt mittlerweile wieder richtig viele Bands da draußen, die im Classic-Rock-Stil spielen. So zum Beispiel GRAVEYARD, FREE FALL, SMALL JACKETS oder THE ANSWER.

Aryn: Ich bin zwar nicht mit den SMALL JACKETS vertraut, aber die Anderen sind Kollegen von uns. Ich denke, solange die Bands damit weitermachen können, etwas Einzigartiges anzubieten, dann bleibt das Genre „Classic-Rock-Revival", oder wie man es auch nennen mag, weiterhin interessant. Wer möchte schon 100 x BLACK SABBATH, wenn jeder weiß, dass es nur die eine gibt!

Pascal: Wie ich gesehen habe, seit ihr auf eurem Facebook-Profil sehr aktiv. Wie denkst du über all diese Social-Media-Portale? Nicht nur aus der Sicht als Musiker. Denkst du es ist gut für die Gesellschaft, oder wird es uns irgendwann zum „Communication Breakdown" im echten Leben führen?

Aryn: Nun, wir taumeln mit der ganzen Sache ein wenig am Rande des Wahnsinns. Wir benutzen soziale Netzwerke und Medien, um Kontakt herzustellen und Werbung zu machen, wodurch wir Unmengen an Geld für Pressearbeit sparen, da die sozialen Medien eine Art „kostenlose" Presse sind. Dadurch ist es für die Fans einfacher, mit uns in Verbindung zu treten, was Fluch und Segen zugleich ist. Man muss diese „persönlichen" Beziehungen mit Vorsicht genießen (lacht).

Pascal: Als Gitarrist bin ich immer sehr am musikalischen Background einer Band interessiert. Welches Equipment benutzt du zum Singen?

Aryn: Wir haben ein Endorsement mit Orange, und Chris hat sehr viel Geschicklichkeit bei der Auswahl von Pedalen, Delays usw.

Pascal: Hat Chris irgendwelche spezielle Gitarrenmodelle, die er bevorzugt?

Aryn: Les "Fucking" Paul.

Pascal: Hast du Unterricht genommen, als du angefangen hast, Musik zu machen?

Aryn: Ja.

Pascal: In welchem Alter hast du angefangen, Musik zu machen, und was war der Auslöser dafür?

Aryn: Im Alter von 12, meine Art der Rebellion.

Pascal: Was sind deine absoluten Lieblingsbands?

Aryn: BLACK SABBATH, BIOHAZARD, MADBALL, 25 TA LIFE, VOD, CAPITALIST CASUALITIES, PETER HAMILL, HASSELHOFF, PRIEST und KING DIAMOND.

Pascal: Welche zehn Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Aryn: „Lonseome Crow" und neun Kopien von THE ROLLINS BAND „End of Silence".

Pascal: Vielen Dank für deine Zeit und Antworten! Ich hoffe, demnächst etwas neue Musik von euch zu hören und freue mich schon, euch wieder live zu sehen.

Aryn: Vielen Dank,... Cheers!

Pascal: Cheers.

interview ScorpionChild 20140518 02
(Quelle Fotos: Neckbreaker-Archiv / Nuclear Blast)

 

 

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