saga10000days300.jpgDas nunmehr achtzehnte Studiowerk der kanadischen Prog-Legende ist ein ganz besonderes, wenn auch der Anlass hierzu alles andere als erfreulich ist. Denn im Frühjahr hat Sänger Michael Sadler bekannt gegeben, dass er nach dreißig Jahren aus familiären Gründen aussteigt. Über die genauren Hintergründe kann man nur spekulieren, da die ehemaligen Superstars in den letzten Jahren ein mächtiges Arbeitspensum an den Tag gelegt hatten. Alle 18 Monate ein neues Album, dazu eine ausgedehnte Tournee, dazwischen noch Gastreisen mit speziellen Themen („World´s apart" - Jubiläum, „Chapters"-Tour), die alle anschließend tontechnisch festgehalten wurden. Da ist natürlich nicht mehr allzu viel Zeit für die Familie übrig. Nur warum haben sie eben nicht einen Kompromiss gesucht, oder wollte Sadler dem Tatendrang der Herren Gilmour und Crichton nicht im Wege stehen. Wie dem auch sei, eine Frage beschäftigt die Fans mehr als die Qualität des neuen Drehers. Wer soll diesen Mann ersetzen?

Und SAGA sind auch bei ihrem sechsten Album nach den Experimenten der Neunziger von ihrer bewährten Linie kein Stückchen abgewichen. Warum sollten sie auch? Die Anhänger wollen doch ihren Frontmann in bester Verfassung verabschieden. Und das tut man am ehesten, wenn man seine Stimme in den altbekannten pompösen, durchdachten, leicht schwülstigen Kompositionen wirken lässt.
So ist wieder alles vorhanden, was diese Truppe über drei Dekaden stark gemacht hat. Jim Crichtons variables Keyboardspiel mit all den Flächen, den fiependen Soli, den wabernden Orgelklängen, den perlenden Pianolinien und natürlich den Duellen mit Axtmann Ian Crichton. Dieser zieht auch wieder sämtliche Register seines Könnens, bringt seine komplexen Riffs an den Start, seine filigranen Soli, seinen pulsierenden Rhythmus.

Auf dem neuen Album öffnet er seine versponnenen Strukturen aber mehr offenen Akkorden, welche den Melodien mehr Raum geben und so die Songs leichter greifbar machen. Eine Entwicklung, die sich allerdings schon auf dem Vorgänger „Trust" abgezeichnet hat, verstärktes Augenmerk auf Atmosphäre und Tiefe.
Allerdings können sich die beiden tragenden Säulen der SAGAschen Instrumentalakrobatik in den Soloparts genügend austoben. Denn insgesamt sind die Songs länger als bei den beiden letzten Veröffentlichungen. Will man hier schon die neue Richtung für weitere Werke vorgeben, mehr instrumentale Parts, weil man vielleicht befürchtet, die Fans könnten einen neuen Fronter nicht akzeptieren. Indiz hierfür ist auch dass mit „Corkentellis" ein siebenminütiger Instrumentalsong vorhanden ist. Der hat aber zweifellos klasse und ist ausgefeilt bis ins Detail, erinnert manchmal sogar an ihre Landsleute von RUSH.

Und das ist nicht das einzige mal, das die Kanadier auf  „10000 Days" etwas nach anderen Bands klingen. Das Intro-Duell von „Sideways" könnte so auch von KANSAS stammen und der Titelsong hat was von ASIA. Allerdings glaube ich da eher an Zufall und Verwendung der gleichen Zutaten, wenn das Soundgebräu gemischt wird als an Abkupferei.
Was der Qualität gerade dieser beiden Songs keinen Abbruch tun sollte. Der erstgenannte weiß durch schöne Key-Fanfaren und einen hymnischen Chorus zu überzeugen, „10000 Days" geht als eine der wenigen guten Balladen in ihrer Geschichte durch. Davon dass sie damit ewig Probleme haben, zeugt auch „More than I deserve", ansonsten eine Dankeserklärung an das Umfeld und die Anhängerschaft.

Eine gesteigerte Melancholie oder Wehmut ist dem Album allerdings nicht anzuhören. Es klingt überaus positiv, relaxt wie selten. Obwohl im Studio schon eine seltsame Atmosphäre herrschte. Aber das wollen die Musiker nicht an sich rankommen lassen, dafür sind sie zu sehr Profis. Und so liefern sie die von ihnen gewohnte Qualität ab, die alle Fans überzeugen dürfte.
Einen bunten Strauss Melodien reicht uns Herr Sadler, dem wie alles Gute für den weiteren Lebensweg wünschen. Seine unvergleichliche, kraftvolle, leicht geknödelte und unglaublich klare Stimme prägte 10000 Tage dieser Ausnahmeband. Und auch bei seinem letzten Auftritt hat er nichts verlernt und prägt die Songs mit einer Gänsehaut erzeugenden Darbietung. Wer soll diesen Mann ersetzen? (MetalPfälzer) 

 

Bewertung: 8,5/10

Anzahl der Songs: 9
Spielzeit: 50:58 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 22.10.2007

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